Die Nacht bricht herein und alles schläft. Mit der Netflix-Adaption des Kult-Kartenspiels Die Werwölfe von Düsterwald wagt sich Netflix an ein Abenteuer, das das Spielgeschehen in eine packende Filmhandlung übersetzen will. Doch gelingt es, den Nervenkitzel der Vorlage einzufangen? Und ist es so unterhaltsam wie das ähnlich gestrickte Jumanji? Unser Urteil.
von Paula König
In den letzten Jahren erlebten Verfilmungen von Spielen einen regelrechten Boom. Während der Fokus meist auf Videospielen wie Gran Turismo, The Last of Us, Super Mario Bros. und Uncharted lag, rücken nun auch Brett- und Kartenspiele verstärkt ins Rampenlicht. Nach dem mehr oder minder großen Erfolg von Dungeons & Dragons ist es nun Zeit für einen weiteren Klassiker: Die Werwölfe von Düsterwald, das 2001 erstmals erschien (ihr findet es auch in unserem Ranking der 20 lustigsten Partyspiele), feiert über 20 Jahre später sein Debüt als Netflix-Film. Die Regie führte François Uzan, bekannt für die Netflix-Serie Lupin – hier unsere Reviews zu Teil 1 und 2.
Übrigens: Wenn du Fantasy magst – wirf unbedingt einen Blick auf Arcane. Was die teuerste und beste Animationsserie aller Zeiten so genial macht? Hier 7 Gründe, warum man Arcane gesehen haben sollte. Dazu kannst du hier unsere Kritik zur brandneuen zweiten Staffel nachlesen.
In Die Werwölfe von Düsterwald schlüpfen die Spieler:innen in die Rollen von Dorfbewohner:innen und Werwölfen in einem malerischen, aber gefährlichen Dorf. Jede Nacht erwachen die Werwölfe heimlich, wählen ein Opfer aus und versuchen, unerkannt zu bleiben. Tagsüber diskutieren alle Spieler:innen, um herauszufinden, wer die Werwölfe sind, und stimmen darüber ab, wen sie lynchen wollen. Verschiedene Sonderrollen wie die Seherin oder die Hexe bringen dabei zusätzliche Spannung und Strategiemöglichkeiten ins Spiel, indem sie Informationen gewinnen oder gezielt eingreifen können. Die Dynamik aus Lügen, Verdächtigungen und unerwarteten Wendungen macht Die Werwölfe von Düsterwald zu einem sehr lustigen Gruppenerlebnis.
Wie wurde das Ganze nun in eine Filmhandlung übersetzt? Eine französische Familie nimmt die Rolle unser Spieler:innen ein. Literally. Während eines Besuchs bei ihrem Großvater (Jean Reno) holen sie das alte Spiel wieder hervor, doch die gesellige Runde nimmt eine Wendung! Ein Handy klingelt, das Spiel wird unterbrochen – und plötzlich finden sich der Großvater, die Eltern (Franck Dubosc und Suzanne Clément) und die drei Kinder im Jahr 1497 wieder, in einem Dorf, das von echten Werwölfen heimgesucht wird.
Umgeben von schlagkräftigen Rittern und misstrauischen Dorfbewohner:innen, die Verdächtige auf den Richtblock schicken, muss die Familie die mordlustigen Werwölfe aufspüren, bevor sie selbst als Opfer enden. Die Situation spitzt sich zu, als sie den Verdacht hegen, dass auch einer von ihnen ein Werwolf sein könnte. Schnell wird klar: Nur ein Sieg im Spiel kann ihnen den Weg zurück nach Hause ermöglichen. Doch die Frage bleibt – wer unter ihnen ist wirklich ein Werwolf?
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Mehr InformationenSeit dem Remake von Jumanji hat sich bei Spieleadaptionen ein bestimmtes Erzählmuster etabliert: Eine dysfunktionale Gruppe wird in ein Spiel hineingesogen, wobei jeder Charakter eine spezielle Rolle zugewiesen bekommt, die ihm oder ihr hilft, als Figur zu wachsen. Jumanji setzte dieses Konzept erfolgreich 2017 und 2019 um, und der Trailer zeigt, dass auch der kommende Minecraft-Film dieses Modell aufgreifen wird. Auch Die Werwölfe von Düsterwald folgt dieser Linie. Die Rollenverteilung innerhalb der Familie ist dabei leider vorhersehbar und einseitig, was zwar durch die Logik des Kartenspiels Sinn ergibt, aber klischeehaft bleibt.
Das Mittelalter-Setting bietet Raum für humorvolle sowie leichte gesellschaftskritische Momente, die mal besser, mal schlechter zur Geltung kommen. Set- und Kostümdesign sind durchweg solide, besonders hervorzuheben sind die Requisiten. Die stilvolle Holzbox, in der das Spiel Die Werwölfe von Düsterwald verpackt ist, sowie die dazu passenden Spielkarten, sind erstklassig gestaltet. Auch das Kostümdesign der Werwölfe kann sich sehen lassen. Leider wurde bei den Übergängen von Mensch zu Werwolf sowie in einigen Kampfszenen auf CGI zurückgegriffen – und das nicht gerade in überzeugender Qualität. Hier wäre es besser gewesen, auf praktische Effekte zu setzen, um die Authentizität und den visuellen Eindruck zu verstärken.
Der Film ist ein Mix aus Kömodie und Abenteuerfilm und als beides nicht herausragend. Er reiht sich in die Reihe vieler solider, aber leider nur durchschnittlicher, Netflix-Originale ein. Der Plot bleibt einfach gestrickt, und auch wenn die Funktionen und Rollen des Kartenspiels in einigen Momenten für interessante Wendungen sorgen, geschieht dies viel zu selten.
Die Zielgruppe von Die Werwölfe von Düsterwald sind wohl in erster Linie Familien mit Kindern. Der Film ist nicht übermäßig kompliziert, bietet leichte Gruselmomente und bleibt in seiner 95minütigen Laufzeit überschaubar. Für einen gemütlichen Nachmittag zu Hause ist er damit durchaus geeignet. Doch über diese Zielgruppe hinaus bietet der Film leider wenig Mehrwert oder Innovation.
Wer nach diesem Abenteuer ein neues sucht, ist hier genau richtig. In unserem Seher-Bereich findet ihr unzählige Reviews zu neuen und alten Netflix-Produktion. Hier schon eine Auswahl (die auf jeden Fall mehr überzeugt als die Werwölfe):
Die Netflix-Neuheiten im Februar 2025
Arcane – Kritik zu Staffel 2 des Meisterwerks
One Piece – 7 Gründe, warum sich der Netflix-Hit lohnt
Damsel – Review: Grobes Netflix-Märchen
Avatar: Ein Muss für Fans und Newbies
Aufmacher: © Netflix
Hello There! Paula König produziert für die Helden der Freizeit seit 2021 Artikel und Social Media Content vor allem zu Kino, Streaming und Events. Dazu arbeitet sie im Bereich Video, Grafik und Schnitt für TV-Produktionen von TVFriends.