Ein bisschen am Seil balancieren, das kann doch nicht so schwer sein. Oder doch? Mein erster Slackline-Versuch. Plus: Wertvolle Anfängertipps.
von Christian Malik
Mein erster Slacklineversuch. Treffpunkt Wien-Favoriten kurz nach 17.30. Wäre doch gelacht, wenn zwei ehemalige Sportgymnasiasten das nicht packen. Hopp auf gehts im Laufschritt auf den Wienerberg, auf der Suche nach einem geeigneten Plätzchen.
Nach 30 Minuten im Kreis rennen, sind wir wieder beim Ausgangspunkt gelandet und beschließen in Ermangelung an Aufhängealternativen in der Auslage vor allen Spaziergängern, Nordic Walkern, Läufern und Hundesittern die Slackline aufzubauen, auch weil das Tageslicht bereits schwindet und unsere Premiere nicht gleich eine Darkline-Experience (Slacklining im Dunkeln) werden soll.
Little Help vom gepeckten Friend
Für den Aufbau der Slackline reicht offenbar kein Studium. Gebrauchsanleitung liegt keine bei – verdammt! So lassen wir uns von einem engagierten Favoritner Original, einem Burschen mit selbst gestochenen Peckerl, helfen. Die Erkenntnis, dass wir schon davor auf dem richtigen Weg waren, ist uns nun peinlich. Wir bauen die Slackline für Anfänger ein bisschen zu hoch auf, was sich später in Form von mühsameren Aufstiegsversuchen rächt.
Kaum oben, schon wieder unten
Ich halte mich ganz an die Tipps aus dem Internet, steige mit dem rechten, äußeren Fuß auf das gespannte Band. Natürlich ohne Hilfe und langsam, weil das cooler aussieht. So schnell wie ich oben bin, bin ich schon wieder unten. Pffff, nicht einfach der Spaß. Mein Freund probiert den Aufstieg mit Hilfe und kann kurz stehen. Angespornt von diesem Erfolg schaffe ich unglaubliche drei Schritte. Nach drei, vier Versuchen wechseln wir uns schon ab, denn die Sache ist echt nicht unanstrengend! Faszinierend allerdings, dass die Motivation ein paar Meter über die Slackline zu gehen immer mehr wächst.
Hier ein paar nützliche Anfängertipps vom Schweizer Experten:
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Mehr InformationenDie ersten wackeligen Schritte
Nach einiger Zeit fällt mir ein, dass man es auch barfuß probieren könnte. Wie erwartet fällt es uns dann leichter ein paar wackelige Schritte zu gehen. Vorbeischnaufenden Läufer haben immer wieder ein paar aufmunternde Gesten und Worte parat. Ich erhoffe mir gegenüber meinem mitübenden Kumpel Startvorteile aufgrund der Gleichgewichtsübungen, die ich in meinem Rücken-Fit Kurs praktiziere. Der Vorteil ist leider nur marginal. Trotzdem sind langsam Fortschritte bemerkbar. Ich komme mittlerweile sogar bis zur Mitte. Vor lauter Ehrgeiz merken wir gar nicht, dass bereits die Abenddämmerung voll eingesetzt hat und bauen die Slackline nach diesem kurzem “Vergnügen” wieder ab.
Slacklining macht süchtig
Vier Tage später. Es ist Sonntag und ich verspüre bereits wieder Lust, meine bescheidenen Slackline-Künste zu verbessern. Diesmal entdecke ich am Wienerberg ein wunderschönes Panoramaplatzerl und baue die Slackline hoch über dem Ziegelteich auf. Nach einigen Versuchen reicht es sogar für dieses Aufmacherfoto. Mein einbeiniges Kniebeugentraining hat sich offenbar ausgezahlt, denn es geht diesmal schneller voran. Ein weiterer Grund: Die Slackline ist, obwohl auf einer längeren Distanz, diesmal besser gespannt. Ich kann immer weiter gehen. Es gelingt mir auch erstmals meinen Blick von den Füßen weg, nach oben zu richten.
Experimentierfreude
Ich werde immer mutiger und experimentierfreudiger, probiere vorwärts/rückwärts übersteigen, parallel stehen und sitzend die Slackline zu überqueren. Nur beim Handstand scheitere ich zweimal. Die Slackline ist für diese Übung zu hoch gespannt – das ist zumindest meine Erklärung für das Nichtgelingen.
Während ich diese Zeilen schreibe, kommt schon wieder der Wunsch auf eine neue Slackline-Session. Morgen werde ich ihn mir gleich nach der Arbeit erfüllen. Denn der Winter ist ja dann schon wieder schneller da, als man meint. Und der im Sportstudium so oft gehörte Spruch: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung!“ hilft mir beim Barfuß-Slacklinen recht wenig. Wer will schon gerne kalte Füße bekommen.
Auch der Spruch “Es ist noch kein Meister von der Slackline gefallen” … ist definitiv falsch 🙂
Slackline: Erfunden in den 1980er Jahren von Freeclimbern im Yosemite Nationalpark. Mittlerweile ein Trendsport und beliebtes Trainingsgerät für Profi- und Hobbysportler
Anlaufstellen: In Wien bieten die Vienna Slackliners Anfängertipps, Ausrüstungsverleih, Workshops und Shows. Weitere Anlaufstellen sind der Slackline-Verband oder sklackline.at
Fazit: Am Anfang gar nicht so leicht, wie es aussieht. Dann süchtig machend. Und das Beste: Slacklining geht fast überall. Du brauchst nur zwei geeignete Bäume oder Masten.
Fotos: heldenderfreizeit.com
Sportwissenschaftler MMag. Christian Malik – seit vielen Jahren als Trainingsexperte, Kursleiter, Sportlehrer und Ausbildner tätig – und als Freier Journalist für die APA, unterstützt uns mit seiner Expertise, Workoutanleitungen und testet mit uns sportliche Freizeitangebote.