So aufregend kann Geschichte sein! Im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya nahe Mistelbach lädt ein riesiges Archäologisches Freigelände mit Siedlungen von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter zum Erkunden und Erleben ein. Zusammen mit dem dreistöckigen Museum lässt sich hier ein unglaublich abwechslungsreicher Tag erleben – wie wir bei unserem Besuch mit zwei Familien herausgefunden haben. Unser Erfahrungsbericht. Dazu kannst du dir zur Einstimmung hier ein Video von unserem Besuch anschauen.
von Christoph König
Rein von der Lage ist das MAMUZ Schloss Asparn/Zaya ein echter Geheimtipp – zwar nur 50 Autominuten von Wien entfernt, versteckt es sich ein bisserl im urigen Herzen des Weinviertels. Ein Stückerl nordöstlich von Mistelbach in Asparn an der Zaya ist das imposante Schloss dann schließlich kaum zu übersehen. Erster magnetischer Anziehungspunkt bei unserem Besuch mit Familien und Kids ist der riesige Spielplatz davor – mit Flying Fox und großen Kletter- und Spielelementen.
Als das Museum um 10 Uhr aufsperrt, sind wir schon da – früh kommen zahlt sich aus, denn es gibt extrem viel zu sehen. Helden-Tipp: Schnappt euch beim Eingang (Kinder bis 10 kommen mit Begleitung gratis rein) die Erklärheftchen zum neuen digitalen Escape Trail (mehr dazu später). Der herrliche Sommertag zieht uns gleich hinaus ins Archäologische Freigelände. Erster Eycatcher sind das riesige Mammut und Mammutbaby, das sich für ein nettes Fotomotiv anbieten.
Dann starten wir unseren Rundgang und staunen, wie riesig und weitläufig das Gelände ist. Zahlreiche Gebäude zeigen hier Siedlungen von der Steinzeit über die Metallzeit bis zum frühen Mittelalter. Alles auf wissenschaftlicher Grundlage von Funden nachgebaut, toll gepflegt und kuratiert – jedes Haus ist entsprechend der damaligen Zeit eingerichtet. Man merkt sofort, wieviel Herzblut hier drinnen steckt. Ein Plan sorgt gleich für Orientierung.
Erster Stopp beim Rundweg ist ein Zelt und Steinkühlschrank der Altsteinzeit. Das MAMUZ feiert an diesem Tag sein 10-jähriges Bestehen, deshalb sind Aktivstationen aufgebaut. Hier wird an vielen Wochenenden Programm geboten (hier alle Termine). Diesmal dürfen sich die Kids mit Naturfarben austoben.
Tarnbemalung auf den Backen geht es in die Jungsteinzeit. Im sehr langen Gebäude ist alles so eingerichtet, als hätten die Bewohner ihr Haus nur kurz verlassen. Davor werden die alten Getreidesorten wie Emmer angebaut. Gegenüber dürfen wir in der Brotbackhütte selbst die Mehlherstellung ausprobieren. 6 Stunden wurden da für einen Liter Mehl die Körner per Stein gemahlen – 10 Minuten genügen uns, um die Mühe dieser Arbeit nachvollziehen zu können.
Ein weiteres Mammut findet sich rechts dahinter. Hier wird an bestimmten Tagen Speerwerfen geübt, was gar nicht so leicht ist, berichtet unsere Helene, die das mit ihrer Schule schon ausprobieren durfte. Weiter geht es in die Häuser der Bronzezeit, wo Luis darüber staunt, dass die fell- und strohbedeckten Betten von damals gar nicht so unbequem sind. In der Eisenzeit stechen die farbigen Schnüre und Stoffe ins Auge. In allen Gebäuden wird auch die Entwicklung der Öfen und Kochmöglichkeiten augenscheinlich.
Im keltischen Versammlungshaus lässt uns Historikerin Andrea Wimmer in alte Gewänder schlüpfen. Im Kelten-Look wird das Erlebnis gleich nochmal authentischer. Besonders spannend ist der Nachbau des keltischen Heiligtums, wo wir Gott Cernunnos kurz angebeten, schadet ja nicht. Im größten Gebäudekomplex finden sich auch diverse Handwerksgebäude, von der Töpferei über die Schmiede bis zur Brotbackhütte. Wer sich selbst darin versuchen will: Erwachsene und Kinder können hier diverse Kurse und Workshops besuchen. Student:innen und Archäologen nutzen das Freigelände für Experimente. Hier findest du alle Events, die geboten werden.
Abschluss des Rundgangs ist die aus dem 9. Jahrhundert nachgebaute Kirche – gar nicht vergleichbar mit dem Prunk, wie wir ihn aus späteren Gotteshäuser kennen. Ein rustikales “Holzschwammerl”, das im Inneren an Sonnentagen ein sehr lichtdurchflutetes und zauberhaftes Ambiente versprüht. Nach einer Übungssession mit der Schleuder (den Korb treffen wir nicht) beenden wir den Rundgang.
Jetzt erobern wir das Museum, das uns auf drei Ebenen anhand von über 3000 (!) Originalobjekten aus der niederösterreichischen Landessammlung und auch interaktiven Installationen sehr bunt und lebendig durch die Menschheitsgeschichte führt. Wer chronologisch vorgehen will startet ganz oben im dritten Stock.
Ein Highlight im Steinzeitbereich ist eine 19.000 Jahre alte Knochenflöte aus einem Rentierschienbein. Acht Stunden hat das Bohren eines Lochs damals gedauert. Ab der Jungsteinzeit beginnen mit der Sesshaftigkeit die kriegerischen Auseinandersetzungen, was anhand eingeschlagener Schädel einer Gruppe junger Frauen, die in Schletz bei Asparn gefunden wurden, allzu deutlich wird.
Der zweite Stock widmet sich der Metallzeit – hier lenkt Frau Wimmer im roten Raum unsere Aufmerksamkeit auf die Funde aus dem Grab der Schmiedin von Geitzendorf – neben Schmuck sind Steine mit Gebrauchsspuren und Bernsteinperlen zu sehen. Zur späten Bronzezeit war die Verbrennung und Bestattung in Urnen der Renner – diese Zeit wird Urnenfelderkultur genannt. Riesige Ritualgefäße prägen schließlich die Hallstattzeit.
Im ersten Stock schließlich kommen die Römer mit der Schrift. Eine Holzpalissade steht für den Limes als Grenze, mit Karten bemalte Wände zeigen die einsetzende Völkerwanderung. Ein besonders bunter Raum zeigt anhand von gefundenen Grabbeigaben die vielen verschiedenen Einflüsse (ob römisch, germanisch, ungarisch oder aus dem Osten). Der letzte violette Raum präsentiert schließlich die Feudalgesellschaft im Mittelalter, mit einigen Funden die man sogar beim Umbau des Schlosses direkt hier entdeckt hat.
Wer das MAMUZ nicht mit einem Rundgang oder einer klassischen Führung kennenlernen will, dem empfehlen wir den Digitalen Escape Trail. Das ist eine Art Schnitzeljagd bei der ihr 15 Stellen mit QR-Codes suchen müsst. Mit diesen könnt ihr Videos abrufen, bei denen euch Prof. Archibald Logos Hinweise zum nächsten Ort gibt. Ein kniffliges, gelungenes Abenteuer für ältere Kinder und Erwachsene.
Das MAMUZ Schloss Asparn/Zaya ist ein Ausflugsziel mit vielen Highlights, das sowohl Kids als auch Erwachsene spannend finden. Das riesige Gelände vermittelt die Geschichte total lebendig und abwechslungsreich und bietet genug Interessantes für mehrere Besuche – auch wegen der zahlreichen Events und Workshops, die das Ganze noch einmal greifbarer machen. Wegen des schönen Freigeländes empfehlen wir den Besuch an sonnigen Tagen – am Besten bei einem Event, denn mit kostümierten Menschen oder Kulturvermittlern ist diese Zeitreise noch lebendiger.
Factbox MAMUZ Schloss Asparn/Zaya
Adresse: Schlossgasse 1, 2151 Asparn/Zaya
Öffnungszeiten: Di. – So. und Feiertags von 10 bis 17 Uhr
Anreise von Wien: Mit dem Auto auf der A5 und dann B46 und B40 westlich an Mistelbach vorbei, dann auf der L35 nach Asparn. Öffentlich mit der S-Bahn S2 nach Mistelbach, von dort mit dem Postbus nach Asparn/Zaya Schulzentrum
Weitere Infos auf der Homepage: https://www.mamuz.at/
Video von unserem Besuch auf Instagram: https://www.instagram.com/p/C81iyo5M2nS/
Apropos lässiges Familienerlebnis im Schloss – da ist auch Schloss Hof ein heißer Tipp. Schau dir in unserer Story oder hier im Video an, warum da auch für Kinder ganz viel geboten wird.
Zum MAMUZ Museumszentrum gehört auch das Museum Mistelbach und das Museumsdorf Niedersulz. Doch auch sonst haben wir großartige Tipps für dich. Klick hier in unsere Berichte:
Top-Ausflüge im Marchfeld: Störche, Auen & Genuss
Museumsdorf Niedersulz – urige Zeitreise
Ein Besuch im Biobeerengarten Hummel
Die Zauberberge von Pálava
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Mehr InformationenAlle Fotos: (c) heldenderfreizeit.com
Hinweis: Dieser Artikel ist im Zuge einer Kooperation mit dem MAMUZ zustande gekommen.
Der Chefredakteur der Helden der Freizeit hat das Onlinemagazin 2016 ins Leben gerufen und ist seit 2000 als Sportjournalist im Einsatz. Bei heldenderfreizeit.com ist er spezialisiert auf actiongeladene Outdoor-Aktivitäten, Ausflüge, Videos, Spiele, Filme, Serien und Social Media.